Topladen gefunden!!
Wunderschön, voll und neu ausgestattet, ruhige Lage zwischen Zoo und Uni. Der Besitzer muss dieses Hobby aufgeben, weil er lieber seinen festen Job behalten möchte, keine Schulden, kein ruinierter Name.
Gefundenes Fresschen für mich, nachdem ich feststellen musste, was dazugehört, wenn man in einem ehemaligen Sonnenstudio in der Einkaufsstrasse eine Gastronomie einrichten möchte.
- Nutzungsänderung, Zu- und Abluftanlage für 4000 m³, Dunstabzug für die Küche, Brandschutzauflagen, Notausgänge, Sondernutzungsrechte für den Biergarten auf städtischem Terrain, Wasser- und Stromleitungen durch 50 cm dicke, tragende Wände verlegen lassen, - also alles, was niemals ein Gast sehen wird: 80.000 € !!! Dann kann ich anfangen mit der Einrichtung von Theke, Kühlräumen, Küche, Innen- und Außenbestuhlung, Lampen, WCs, Personalräumen, Tapete und Farbe hab ich noch ganz vergessen, nochmal 80,000 € !!!
Das sind auf den ersten Blick 160.000 €. Es fehlen aber noch die ganzen Kleinigkeiten wie Gläser, Geschirr, Besteck, Kaffeemaschine, Eismaschinen, Erstbestückung, ... 200.000 €, da ich ein Freund von Sicherheit bin, wird noch das Sicherheitskapital etwas höher ausfallen müssen mit ca. 50.000 €.
Eine viertel million Euros!!!
Nette Idee, und garantiert von Erfolg gesegnet, leider gehöre ich aber nicht zur Fraktion "Mann im schwarzen Anzug mit ´nem Koffer voller Kohle", sondern war immer fleißiger und strebsamer Angestellter, hätte ich vielleicht doch Drogen oder Frauen verkaufen sollen?
Der gefundene Laden, der einfach übernommen werden möchte, kostet insgesamt 80.000 €, tutto completti.
Leider ist er Brauereifinanziert, was heißt: erst hast Du ´nen Termin mit dem Getränkelieferanten und dem Ladenbesitzer - easy, bekommst alle gegenwärtigen Unterlagen wie Pachtvertrag, Bierliefervertrag, Darlehensvertrag, Leasingvertrag für den Kaffee-super-vollautomaten, Kücheneinrichtung, Ladeneinrichtung.
Liest Dir alles gründlich durch: böse Hektoliterabnahmezahl, böse Nebenkosten, böse Leasingrate, blöde Getränkebindung...
Schleppst den ganzen Ordner zu Deinem Wirtschaftsberater: böser Leitzins, böse Grundschuld, böses Pfandrecht...
Danach weckt Dich Dein Telefon nach der Nachtschicht vom Sonntag, montagfrüh um 9.00: "...InBev Deutschland, guten morgen", ..., Termin, ...äh, ... ja, ... tschöö.
Sechs Stunden später - schockartiges Erwachen und der angestrengte Versuch mit ´nem halben Liter Instant-Kaffee zu eruieren, ob das ein Traum war, und wann und wo man jetzt zugesagt hatte. Glück gehabt, war noch auf einer Zelle zwischengelagert.
Liest den ollen Vertrag zum 20sten Mal durch und gehst los, nur den Lebenslauf und ne große Portion Euphorie unterm Arm.
Kaum am vereinbarten Ort angekommen, empfangen Dich gleich zwei weise scheinende Herren, um Dich auf Leib und Niere zu zerpflücken.
Nach meinem dreißig minütigen Anfall von Euphorie (die Berufserfahrung hat sie schon ein wenig gezügelt) kommt dann die alles entscheidende Frage:
"Wie sieht es denn bei Ihnen mit der Bürgschaft aus??" - - -
Bammm, da war die Sache der Mittellosigkeit, Schufa wurde schon geprüft -1a-, könnte daran liegen, dass ich bisher keine Immobilien oder ähnliche Bürgel erworben habe, also keine Schulden, aber auch keine Werte.
"Ich werde Sie mit meinem Wirtschaftsberater in Kontakt bringen", gerettet, gute Antwort.
Auch, wenn ich eine Ausbildung zum Handelsfachwirt absolviert habe, bin ich kein Kaufmann und bin einfach kein Zocker; ich möchte Gäste verwöhnen und Personal in Frieden beschäftigen, das ist, was ich kann und will. Ich bin halt Dienstleister und kein Banker.
So sitze ich über Pfingsten also auf heißen Kohlen und kann nicht wirklich etwas tun, außer meinen Businessplan fertigzustellen, Marketingstrategien festzulegen, Kartenentwürfe zu tätigen und einfach abzuwarten.
Habe mir zusätzlich beim Zigarettenkauf ein Lottolos gekauft. ;~}
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